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DAH
Erhalt und Erweiterung Dahlihaus

5212 Hausen AG

 
Jahr2016
Statusabgeschlossen
AuftraggeberGemeinde Hausen
AuftragsartDirektauftrag
TeamARGE mit Architheke AG
DownloadsDokumentation

D wie DAHLI
Dieses Haus ist ein Denkmal, weil sich hier ein architektonischer Prototyp manifestiert. Über Jahrhunderte hat unter dem zeltartigen Dach ein kontinuierlicher Veränderungsprozess stattgefunden, ohne dass die archaische Kraft dieses Gebäudetypus verloren gegangen ist. Darum hat es das Haus verdient, erhalten und mit neuer Nutzung belebt zu werden. Um das Denkmal zu schonen, soll jedoch nicht jedem Gebäudeteil eine zu intensive Nutzung aufgezwungen werden. Wir schlagen ein Vorgehen vor, das auf der Basis archäologischer Gewichtungen die bauliche Eingriffstiefe differenziert.
Nach dem Rückbau des Schuhmacherhauses wird der ursprüngliche Hausvorplatz wieder sichtbar, das Haus verbindet sich mit dem Strassenraum und es entsteht ein neuer öffentlichen Platz. 
Durch das Entfernen der Stallungen entsteht in Verbindung zum Vorplatz ein hallenartiger Raum, in welchem die Konstruktion des Daches und die grosse innenräumliche Kraft des Hochstudhauses erlebt werden kann. Es finden hier keine baulichen Eingriffe und Wärmedämm-Massnahmen statt. Das Dach wird instandgestellt und im Bereich der heutigen Anbauten wieder zur ursprünglichen Form ergänzt. 
Die Wohnung West soll als eine historische Zeitaufnahme erhalten bleiben. Es werden keine neuen Elemente eingefügt und es soll darauf verzichtet werden, die Wohnung durch Rückbauten auf einen früheren Zustand zurückzuführen. Als Abbild unzähliger Veränderungen kann das Bauwerk wie ein gebautes Geschichtsbuch immer wieder neu gelesen werden und die vorhandene Bausubstanz bleibt für kommende Forschungen erhalten.

A wie ATTRAKTION
Ein Haus lebt so lange, wie es von den Menschen geliebt wird. Darum soll das Dahlihaus mit neuen Inhalten gefüllt werden. Das Ziel ist es, Interessierte aller Generationen vom Laien bis zum Bauernhausforscher an diesem Ort zusammenzubringen. Die angefügten Wohnungen oder Büros sorgen für einen belebten Alltag, ein Mehrzweckraum soll unterschiedlichste Gruppen und Vereine an diesen Ort führen und mehrmals im Jahr öffnet sich das „Hochstud-Zelt“ mit seinem Vorplatz für kollektive Anlässe.
Der Vorplatz mit dem Nussbaum ist auch aus grösserer Distanz als Anziehungspunkt sichtbar. 
Der grosse Innenraum dient als Bindeglied und Identifikationselement aller hier stattfindenden Aktivitäten und als gedeckter Dorfplatz. Er wird baulich diskret mit einer Infrastruktur ausgerüstet, die eine breite Vielfalt des Gebrauchs zulässt.
Durch Entfernen der Zwischenwände und der Erdgeschossdecke entsteht anstelle der Ost-Wohnung das vollständig beheizte Dahlisäli, das ganzjährig genutzt werden kann. 
Der südseitige Ergänzungsbau wird als nutzungsneutrale Architektur erstellt. Von seiner Dachterrasse her geht der Blick auf die eindrückliche Dachform des Hochstudhauses und über das Dorf und die Landschaft. Der Anbau ist in seiner grundsätzlichen architektonischen Ausformung klar definiert. Dennoch bleibt durch den grossen Spielraum von Ausbaumöglichkeiten die erforderliche Zeit für eine umfassende Evaluation von Nutzungsoptionen und Trägerschaftsmodellen erhalten. 
Die unterschiedlichenen Kombinationsmöglichkeiten der räumlichen Komponenten schaffen zusätzlich eine breite Nutzungsvielfalt, die eine dementsprechend gute Auslastung sicherstellt.
H wie HOLZBAU
Das Dahlihaus zeigt auf, wie man mit intelligenter Anwendung eines einheimischen Baumaterials einen Raum schafft, der Jahrhunderte überdauert. Mit dem südlichen Erweiterungsbau möchten wir zeitgemäss weiterführen, was uns das Vorbild des Dahlihauses lehrt. Holz soll als Baumaterial eingesetzt werden, aber auch die Eigenschaft einer permanenten Anpassungfähigkeit soll die neue Architektur prägen. Altbau und Neubau spielen sich den Ball zu: unaufgeregt, schlau und witzig.
Die Holzkonstruktion beruht auf einer einfachen und sichtbaren Struktur. Pfosten, Träger und auch die zur Stabilisierung notwendigen Streben sind sichtbar in Massivholz, naturbelassen ausgeführt.
Decken sind Balkenstapel-Elemente. Der schalldämmende Überbeton ist mit Kerven schubfest im Balkenstapel verzahnt und bildet eine effiziente Wohnungstrenndecke.
Es wird konsequent auf verleimte Holzelemente verzichtet.
Beheizte und unbeheizte Bereiche sind in klar getrennten Gebäudeteilen untergebracht.
Statik und Verkleidung sind nicht vermischt. Der Witterung ausgesetzte Bauteile können ersetzt werden.
Innere Trennwände sind nicht tragend und können auch später noch an veränderte Anforderungen angepasst werden.
Der Innenraum zeigt mit seinen Oberflächen aus Holz oder Lehmputz eine Verwandtschaft zum Dahlihaus.

L wie LANGFRISTIGKEIT
Das erweiterte Dahlihaus soll für viele Menschen einen konkreten Nutzen darstellen, damit der Unterhalt auf viele Schultern verteilt werden kann. Ein dem Gebäude angemessener Gebrauch soll sicherstellen, dass sein Unterhalt nicht zu einer Last, sondern zu einer tragbaren und selbstverständlichen Tätigkeit wird.
Unterschiedliche Aktivitäten überschneiden sich unter dem grossen Dach. Derselbe Raum ist ein Veranstaltungsort, ein gedeckter Aussenraum für die Wohnungen, ein Foyer für Büros, ein Treffpunkt für Sälibesucher, ein Besammlungsort für Dorfführungen, ein Ausstellungsraum zu verschiedensten Themen.
Indem der archäologische Kern in Form der West-Wohnung und des Dachstuhles von Eingriffen verschont wird, bleibt ein wichtiger Teil des historischen Wertes erhalten. Der schonende Umgang mit dem Baudenkmal schafft die nötige Voraussetzung, um weitere Kreise für einen Beitrag zu Sanierung und Unterhalt zu motivieren.
Das Haus als nutzungsneutrales Raumgefüge gibt Hoffnung, dass es sich in den nächsten (fünfhundert?) Jahren an heute noch nicht vorhersehbare gesellschaftliche Entwicklungen anpassen wird.

I wie IDENTITÄT
Das Dahlihaus soll zu einem Bestandteil der Dorf-Identität werden. Die besondere Lage an der Holzgasse ist dazu in besonderem Masse geeignet. Mitten im Dorf zeigt sich die typische Bauform, die den alten Dorfkern prägte. Damit besteht hier die Möglichkeit, dass über die Gemeindegrenzen hinaus ein Wahrzeichen für die Ortschaft Hausen geschaffen werden kann.
Ein im Alltag vielfältig nutzbarer Platz formuliert als Treffpunkt eine dem Haus angemessene öffentliche Bedeutung. 
Die heutige Form des Hauses soll so erweitert werden, dass die Zeichenhaftigkeit der heutigen Erscheinung verstärkt wird. Der neue Bauteil weist die gleiche kubische Klarheit wie das Hochstudhaus auf. Alt und Neu verbinden sich zu einem neuen Zeichen.
Durch eine gemeinsame Philosophie von formaler Bescheidenheit und konstruktiver Intelligenz erhält das erweiterte Haus einen einheitlichen Hausgeist.
Die Holzgasse war seit jeher die wichtigste Querverbindung von Hausen. Sie ist heute noch von hoher Bedeutung als Querung von Bahnlinie und Umfahrungsstrasse, als Anbindung des Dorfteiles Holzgasse, als Zugang zum Wald und als Verbindung zu den Nachbardörfern Scherz und Habsburg. Die Aufwertung des Dahlihauses kann einen wichtigen Impuls geben für eine gestalterische Aufwertung des Strassenraumes der Holzgasse als Gegengewicht zur dominierenden Hauptstrasse.

UMGEBUNG
Um das Dahlihaus mit seinem imposanten Dach zur Geltung zu bringen, soll der Platz zur Holzgasse hin offen sein. Dadurch bleibt auch der Durchblick von der Hauptstrasse über die Eisenbahn zum westlichen Dorfteil bis zum Wald frei.
Typisch für die Umgebung des Hochstudhauses ist das teppichartige Band aus Ortsbeton der Fassade entlang. Der Platz selber ist eingekiest. Darauf steht an der Stelle, wo früher wahrscheinlich ein Miststock gestanden hat, ein grosser Nussbaum. Diese Leitelemente sollen erhalten und mit zwei kleinen Eingriffen ergänzt werden:
einer raumfassenden Sitzbank und einem Trinkbrunnen.
Die Sitzbank mit hoher Lehne fasst den Platz gegen die Einfamilienhäuser. Diese Geste lehnt sich an die Garteneinfassungsmauern mit Zaun der gegenüberliegenden Häuser an. Der Brunnen steht für die ehemalige Tiertränke und ist neu ein belebendes Element auf dem Vorplatz. Zusammen mit der Bank, dem vorhandenen Nussbaum und dem Brunnen auf dem Kiesplatz entsteht ein Dorfplatz für Hausen.
Der Ortsbetonbelag fliesst schon heute von innen nach aussen. Das soll so bleiben um damit den Innen- mit dem Aussenraum zu verbinden.
Beim Anbau auf der Südseite entsteht ein Eingangsplatz, der Neu und Alt verbindet. Als begleitendes Element aus früheren Zeiten wird als Blitzschutzbaum eine Linde gepflanzt. Danach folgen dem Heuweg entlang die Parkplätze mit sickerfähigem Belag. Die Abgrenzung zum Nachbargarten nimmt bäuerliche, bestehende Elemente auf: eine Johannisbeerhecke mit darüber hinauskragenden Salweiden. Der Privatgarten vor dem Neubau wird von einer Sockelmauer mit Metallzaun gefasst. Dieser soll von Rosen überwachsen sein.