Planung
Ausführung
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Immobilienbewertung

MBF
Neubau Wohnen und Ateliers

4332 Stein

 
Jahr2014
Statusabgeschlossen
AuftraggeberStiftung MBF, Stein
AuftragsartWettbewerb selektiv, 4. Rang
DownloadsDokumentation

Städtebau
Der Planungsperimeter entlang der Zürcherstrasse liegt am östlichen Ortseingang von Stein. Die Parzelle ist Bindeglied zwischen den Ateliers Buchenweg im Westen und dem Haupt- und Werkstattgebäude Rüchlig im Osten.
Die bestehenden Gebäude der Ateliers Buchenweg, die geplanten Neubauten für die Erweiterung von Wohn- und Atelierplätzen sowie das Hauptgebäude bilden den Abschluss des angrenzenden Wohnquartiers.
Die neuen Volumen übernehmen dabei eine Filterfunktion, indem sie einen Übergang zu der kleinmassstäblichen Quartierstruktur bilden. Die Gebäudehöhe nimmt Rücksicht auf diese Situation.
Durch die 2-geschossige Bauweise entstehen überschaubare, der Situation und Nutzung angemessene und benutzerfreundliche Aussenräume. Die Orientierung der Zimmer auf den Innenhof schafft Identifikation. Der Innenraum ist von allen Wohngruppen über die Wohn- und Essbereiche erlebbar.

Freiräume
Die Parzelle wird entlang der Zürcher- und der Münchwilerstrasse von Spitzahornen gefasst. Die Wiese darunter ist heute extensiv genutzt. Das Thema der Heuwiese mit den darin wachsenden Spitzahornen wird der J. C. Haussstrasse entlang aufgenommen. Zudem werden die Randbereiche der neuen Umgebung als Heuwiese genutzt. Einige darin gepflanzte Sträucher fassen den Raum.
Der Eingangsbereich wird mit einem Hartbelag erstellt, der für alle Zulieferungen und rollstuhlabhängigen Personen problemlos genutzt werden kann. In den Innenhöfen ist ein harter, abgesandeter Mergelbelag vorgesehen. Mit Pflanzinseln wird der Innenhof in Teilräume gegliedert. Der fliessende Raum lässt diverse Nutzungsmöglichkeiten offen. Darin finden gesellige und individueller eingestellte Menschen den ihnen entsprechenden offenen oder geschützten Aufenthaltsort im Freien. Die Bepflanzung in den Inseln aus verschiedenen Stauden und Baumsträuchern ermöglicht auch im Sommer den Aufenthalt im Schatten.
Der Zugang wird hervorgehoben von einer markanten Föhrengruppe in einer Pflanzinsel. Mit ihren immergrünen Nadeln und den im Alter orangen Stämmen prägen sie diesen Ort das ganze Jahr hindurch.
Der Wohngruppe 1 wird ein privater Gartenbereich zugeordnet. Ein plätschernder Brunnen und blühende Stauden bilden einen angenehmen Aufenthaltsort.
Die drei Besucherparkplätze an der J. C. Hausstrasse werden von Spitzahornbäumen eingefasst.

Organisation
Das Raumprogramm wird auf 3 zweigeschossige Volumen verteilt. In den abgewinkelten Gebäude sind die Wohngruppen untergebracht. Im Wohnheim West die Wohngruppen 1 bis 4 mit jeweils zwei Gruppen von 6 Behinderten pro Geschoss, welche über das „Gelenk“ im Nordwesten erschlossen sind. Jedem Indivdualbereich ist ein eigener, gefasster Aussenbereich zugeordnet. Im Wohnheim Ost befindet sich im Erdgeschoss die Wohngruppe „Individualist“ und im Obergschoss die Wohngruppe „Pflege“.
Im Mittelbau befinden sich im Erdgeschoss die Beschäftigungsräume mit den dazugehörenden Nebenräumen. Die Ateliers haben gegen Süden individuelle Aussenbereiche, die durch eine kleine Mauer abgeschirmt werden. Im Obergeschoss ist der Essraum mit eigenem Aussenbereich und die Verwaltung untergebracht. Der Zugang zu diesen Nutzungen erfolgt zentral und ist gut ablesbar.

Erschliessung
Extern
Die Wohngruppen sind direkt von der J. C. Hausstrasse, und damit quartierseitig, erreichbar. Sie sind an das übergeordnete Wegnetz zu den weiteren Gebäuden der Stiftung angeschlossen. Die Ateliers, der Esssaal und die Verwaltung sind über den Hofbereich erschlossen. Diese Nutzungen sind auch direkt durch die Anlieferung im Untergeschoss erreichbar. Die oberirdische Zufahrt ist gewährleistet.
Die Einstellhalle ist von der J. C. Hausstrasse erschlossen.

Intern
Durch die Anordnung der Wohngruppen-Eingänge entstehen die agogisch erwünschten Arbeitswege zu den Beschäftigungsräumen. Innerhalb der Wohnhäuser Ost und West sind die einzelnen Wohngruppen über das gemeinsame Treppenhaus erschlossen. Die gedeckten Hauseingänge sind in die Geb.udehülle integriert und das Treppenhaus mit einem Windfang geschützt. In allen Wohngruppen sind auch Fluchttreppen vorhanden.

Lärmschutz und Akustik
Die Lärmbelastung durch ÖV und MIV wird mit zunehmender Gebäudehöhe stärker. Eine Lärmschutzwand bringt für Obergeschosse wenig. Als Reaktion darauf sind die Gebäude für Wohnen und Beschäftigung / Verwaltung konsequent nur 2-geschossig. Zudem sind in den Wohnheimen Ost und West die Mehrzahl der Individualbereiche nach Osten oder Westen orientiert. Die gegen Süden orientierten Räume werden durch den Beschäftigungs- und Verwaltungsbau abgeschirmt. Die Südfassade der Wohnheime ist geschlossen und nur mit einer Fensteröffnung in den Gangbereich versehen.
Der Beschäftigungs- und Verwaltungsbau schirmt die Aussenräume wirksam ab. Die Beschäftigungsräume haben vorgelagerte Aussenräume. Diese werden durch eine moderat hohe Mauer gegen die Immissionen der Zürcherstrasse geschützt. So ist auch Arbeiten im Freien in angenehmer Atmosphäre möglich.
Die Wohngruppen sind untereinander akustisch gut getrennt. Dies führt zu geringen internen Lärmimmissionen.
Jedem Individualzimmer ist ein gedeckter, eingezogener Aussenraum zugeordnet. Die Auskleidung dieser Räume mit Holz und Akustikplatten reduzieren die Lärmimmissionen weiter.
Die Individualzimmer können, wenn gewünscht oder bei der Raumpflege notwendig, natürlich belüftet werden. Die kontrollierte Wohnungslüftung ermöglicht aber ein optimales Raumklima auch bei geschlossenen Fenstern.

Haustechnik
Heizung:
Die Energiegewinnung für den Heiz- und Warmwasser-Energiebedarf erfolgt gemäss Energie-Cluster 2 des bestehenden Energiekonzeptes über Wärmepumpen.
Die Wärmeabgabe erfolgt mittels Bodenheizung. Eine Kühlung ist nicht notwendig, da der sommerliche Wärmeschutz durch die Ausrichtung, die eingezogenen Aussenräume und die gewählte Konstruktion gewährleistet wird.

Lüftung:
Dezentrale Wohnungslüftungsger.te in den Wohngruppen, Ateliers und Keller schaffen das notwendige Raumklima. Einzig für die Tiefgarage ist eine separate Abluftanlage notwendig.

Sanitär:
Flach auf dem Dach liegende Röhrenkollektoren dienen unterstützend der Warmwasser–Vorwärmung.

Technikräume | Steigzonen | Vertikalerschliessung:
Jedem Gebäude ist ein eigener Technikraum zugeordnet. Damit wird erreicht, dass die Verbindungen von den Umformerstationen zu den Wohngruppen kurz sind. Die Steigzonen sind in den Wohngruppen jeweils zentral angeordnet.

Bauphysik
Die Gebäude sind kompakt ausgebildet. Dies ermöglicht ein gutes Oberflächen- / Volumenverhältnis. Mit den verwendeten, optimal gedämmten Bauteilen wird der Minergie-Standard der Geb.udehülle erreicht.
Durch einen aussenliegenden Sonnenschutz wird der sommerliche Wärmeschutz und der Blendschutz gewährleistet. Er kann individuell gesteuert werden. Die grossen Fenster führen zu guten Tageslichverhältnissen der Räume.

Statik / Geologie
Die Räume im Untergeschoss befinden sich unter dem Atelier- und dem Wohnheim Ost. Damit lässt sich die Baugrube optimieren. Wenn notwendig, wird diese Unterkellerung als „weisse Wanne“ ausgeführt. Der Baugrund ist tragfähig. Das Wohnhaus West ist nur im Bereich Technik / Treppenhaus unterkellert. Zur Fundation müssen auf Grund des geologischen Gutachtens Mikropfählen erstellt werden. Da das Gebäude nur 2-geschossig ist, bietet diese Massnahme keine Probleme.
Die durchgehenden Wände gewährleisten die Erdbebensicherheit.

Materialisierung
Die massive Gebäudehülle stemmt sich gegen die durch Eisenbahn, Autobahn und Hauptstrasse lärmbelastete Situation. Durch den verwendeten Klinker als Fassadenmaterial entstehen präzise Volumen und Aussenräume.
Diese Materialisierung kann auch als Referenz und Bindeglied zu den benachbarten Gebäuden der Stiftung verstanden werden. Durch Material und Farbton entsteht eine sympathische, angenehme Stimmung.
Die eingezogenen Aussenräume vor den Individualzimmern sind wie ein Futteral und werden mit Holz ausgekleidet. Dies verändert die räumliche und haptische Empfindung. Die Zonen werden zudem wirksame Schallschlucker.
Der Klinker fasst die drei Volumen zusammen, die Holzverkleidungen der Aussensitzplätze bieten kleinere, weiche und definierte private Aussenbereiche.

Ökologie
Mit allen Materialien und Stoffen wird nachhaltig und sparsam umgegangen. Wo möglich werden Recyclingmaterialien verwendet. Bei den Baustoffen werden Materialien eingesetzt, welche geringe Schadstoffe aufweisen, was zu einem guten Innenklima beträgt. Mit diesen Massnahmen wird ein Minimieren der grauen Energie erreicht.