Planung
Ausführung
Beratung
Immobilienbewertung

WASG
Erweiterung Primarschule und Tagesstrukturen Wasgenring

4055 Basel

 
Jahr2014
Statusabgeschlossen
AuftraggeberStadt Basel
AuftragsartWettbewerb
DownloadsDokumentation

Städtebau, Architektur und Denkmalpflege
Der Baukörper versteht sich als Verbindung zum öffentlichen Raum. Er akzentuiert durch seine winkelförmige Ausbildung die Ecke zum Wasgenring und ist Auftakt des Grünzuges zwischen Basel und Allschwil. Der Stadtraum wird in den Park einbezogen. Die Freifläche zwischen Wasgenring und Schulgelände erhält mit dem vorgelagerten Platz einen Abschluss.
Die orthogonal abgedrehte Aula funktioniert mit ihrer Geste und der Annäherung an die umliegende Bebauung als Bindeglied zwischen dem Primarschulareal und dem umliegenden Quartier. Bei Veranstaltungen kann der öffentliche Platz zusammen mit der Aula genutzt werden.
Die sanfte Symmetrie der bestehenden Anlage wird respektiert und nicht tangiert. Das neue Volumen gliedert sich respektvoll in den Bestand der Primarschulpavillon ein. Sie bleiben in ihrem Erscheinungsbild erhalten. Mit der Holzverkleidung setzt sich der Neubau optisch von den umliegenden Gebäuden ab, bricht mit seiner Abstufung in zwei Hauptkörper aber die Grossmassstäblichkeit und orientiert sich mit dem parkähnlichen Charakter an den Schulbauten.

Umgebungsgestaltung und Erschliessungskonzept
Der pavillonartige Neubau wird um und zwischen dem geschützten Baumbestand situiert. Lediglich vier Bäume werden tangiert und mit Ersatzpflanzungen kompensiert. Die Durchgrünung des Schulareales bleibt erhalten. Auch mit dem neuen Gebäude ist die Anlage eine Schule im Grünen.
Die winkelförmige Anordnung zoniert und charakterisiert die Aussenräume. Der Bereich zwischen Wasgenring und Park wird aufgewertet und gefasst. Die grosse Spielwiese innerhalb des Planungsperimeters erhält einen klaren Abschluss.
Der bestehende Spielplatz wird belassen. Nutzungsinseln liegen eingestreut im Park und unterstützen die Anordnung der parkartigen Bebauung. Jeder Insel wird ein Thema mit Spielgeräten, Möblierung und Belägen zugeordnet. Durch die Ausformulierung der Spielbereiche werden die Altersgruppen getrennt. Der Tagesstruktur vorgelagert liegt die Spielwelt der jüngeren Kinder, gut zugänglich und einsehbar. Gefasst wird diese Zone durch einen Zaun. Für die Älteren wird der Bereich östlich nutzbar. Dieser ist offener gestaltet, die Kinder bewegen sich frei auf dem Areal.
In Anlehnung an das bestehende Erschliessungsnetz der Schulanlage wird der Hauptzugangsweg separat geführt. Quererschliessungen zwischen den Pavillons dienen dem effizienten Erreichen des Gebäudes. Trampelpfade führen zu den einzelnen Nutzungsinseln.

Ökologie und Nachhaltigkeit
Das Gebäude, bestehend aus zwei kompakten Volumen, erreicht dank der geringen Oberfläche einen niedrigen Energieverbrauch. Der Anschluss an das bestehende Fernwärmenetz bietet die Grundlage für die Wärmenutzung.
Durch die Minimierung des Anteils an massiven Materialien und der Möglichkeit der Vorfertigung der Leichtbauelemente wird eine bau- und schadstoffarme Bauweise möglich. Die Vorfertigung generiert einen raschen Bauprozess.
Mit der Reduzierung der bebauten Fläche und des Untergeschosses wird der Aushub minimiert und ein schonender Umgang mit der Bodensubstanz erzielt.

Gebäudetechnik und Energiekonzept
Das Gebäude wird an das bestehende Fernwärmenetz angeschlossen. Die beiden Gebäudevolumen werden durch den gemeinsamen Technikraum im Untergeschoss versorgt und über die zentral gelegenen, gut zugänglichen Steigzonen erschlossen. Sämtliche horizontalen Verteilungen sind in der abgehängten Decke geführt. In den massiven Bauteilen sind keine Einlagen vorgesehen. Alle Installationen sind gut zugänglich und bieten dadurch eine hohe Flexibilität für Änderungen.
Neben der Komfortlüftung können einzelne Fenster zur natürlichen Durchlüftung geöffnet werden. Ein effizienter Luftwechsel nach dem Mittagessen kann so gewährleistet werden. Dank der Bodenheizung können Lern- und Spielaktivitäten auch auf dem Boden durchgeführt werden.
Die mächtigen Eschen in der Umgebung bieten im Sommer mit ihren dichten Baumkronen einen natürlichen Sonnenschutz und lassen während der Winterzeit viel Tageslicht einfallen. Aussenliegende Vertikalstoffstoren sorgen für den notwendigen Sonnenschutz am Gebäude selbst. Im Zusammenspiel mit den grossen raumhohen Fenstern kann eine individuell steuerbare und optimal abgestimmte Tageslichtnutzung erreicht werden.
Die Sonnenergienutzung erfolgt auf dem Dach. Sie wird liegend angeordnet, um möglichst geringe optische Emmission auf die bestehenden, inventarisierten Schulbauten zu generieren. Eine Lösung in der Fassade ist aufgrund der umliegenden Baumkörper und deren Schattenwurf nicht optimal.

Konstruktion und Materialisierung
Eine Bauweise aus Betondecke und massiven, tragenden Wänden bildet die statische Grundstruktur. Stützen an der Fassade und die Wände der Nebenräume leiten die Kräfte ab. Zwischen den statisch tragenden Elementen werden grosse Fenster oder geschlossene Füllungen in Holz eingeschoben. Dadurch wird eine optimale Trennung zwischen Tragstruktur und Hülle erreicht, welche einen einfachen Bauteilersatz möglich macht. Die eingeschobenen Leichtbauelemente führen zu einem optimal gedämmten Volumen. Die massiven Materialien bieten Speichermasse. Die gewählte Tragstruktur lässt eine grosse Flexibilität für die Nutzung der Innenräume zu.
Gezielt angewendete und zurückhaltende Nuancierungen von Buntflächen innerhalb des Gebäudes schaffen Identität, Orientierung und Wohlbefinden. So erhalten die Tagesstrukturen der jüngeren Altersstufe im Erdgeschoss mit den Farben Rot, Orange und Kirsche ihren eigenen Charakter, die Räume für die Schüler und Schülerinnen der höheren Klassen orientieren sich am Farbtrio Grüngrau, Saft- und Malachitgrün.
Durch die voneinander getrennte Anordnung der Nutzungsstrukturen entstehen geringere Lärmimmissionen. Die abgehängte Decke leistet einen Teil zur Schallabsorption. Weiche Oberflächen wie Vorhänge an den Fassaden lassen einerseits das Spiel mit dem Ein- und Ausblick zu, andererseits bieten sie zudem die Möglichkeit, die Räume akustisch aufzuwerten. Die farblich nicht akzentuierten Wände sind in einem gebrochenen, warmen Weiss gehalten. Die Schüler und Schülerinnen sollen mit ihren Arbeiten Farbe in den Innenraum bringen.
Verschiedene Bodenbeläge schaffen Zonierungen und visualisieren die unterschiedlichen Nutzungen. Ein massiver und widerstandsfähiger Boden im Foyer- und Erschliessungsbereich, ein weicher und elastischer Linoleum in den Schulräumen. Die Aula erhält einen naturnahen Massivholzparkett.
Die niedrigen Brüstungen an den Fensterfronten laden zum Sitzen und Spielen ein. Mobile Raumteiler bieten eine flexible Nutzung der Räume und dienen gleichzeitig als Stauraum für Spiel-, Schulmaterial und Bücher. Die offene Lernlandschaft wird mit wenigen Massnahmen in unterschiedliche kleine oder grosse Bereiche verändert. Eine flexible Nutzung der Tagesstrukturen wird so gewährleistet. Erschliessungszonen innerhalb der Abteilung werden minimiert und können als Spielzone genutzt werden.
Die Vertikallamellen in unregelmässigen Abständen an der Fassade wiederspiegeln die vielfältigen Baumgruppen in der Umgebung, Baumkronen spiegeln sich in den Fenstern und lassen das Gebäude so zu einem Teil der Umgebung werden.
Die dahinter liegende Ebene mit offenen und geschlossenen Bereichen aus Holz oder als Fenster bietet unterschiedliche Einblicke in das Gebäudeinnere.