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IGIS
Erweiterung Primarschule und Kindergarten

7206 Igis (Landquart)

 
Jahr2012
Statusabgeschlossen
AuftraggeberGemeinde Igis-Landquart
AuftragsartWettbewerb
PläneDokumentation

Konzept
Die Schulanlage Igis liegt im Übergang der ursprünglichen Kernzone der Siedlung Igis zu den neueren Einfamilienhaus-Bebauungen. Sie besteht heute aus drei verschiedenen Gebäuden mit unterschiedlichem Baujahr: 1913 – 1964 (Erweiterung 1990)- 1986. Die Schule Landquart betreibt an diesem Standort einen Kindergarten und eine Primarschule. 

Die heutige Schulanlage gruppiert sich um den grossen Pausenplatz. Der Kindergarten und die südlichen und östlichen Aussenräume sind wenig einbezogen. Mit der heute notwendigen Erweiterung der Anlage muss eine Klärung der Gesamtsituation stattfinden. Das Kindergartenprovisorium und der bestehende Schulbau aus dem Jahre 1986 werden abgebrochen und machen Raum für eine gute Gesamtlösung. Die neue Schulanlage soll als kompakte Gesamtanlage in Erscheinung treten. Zusammen mit dem alten Schulhaus und dem Mehrzweckgebäude entwickelt das Projekt einen neuen Ort, der den Zugangsraum definiert und die weiteren Aussenräume zoniert und charakterisiert. 

Die Eingangssituation wird definiert. Die Erschliessungen des Unterstufenschulhauses und des Kindergartens sind nicht identisch. Der Kindergarten ist an das Schulhaus angedockt, hat aber einen eigenen Aussen- und Zugangsbereich. Er funktioniert unabhängig vom Schulbetrieb im Hauptvolumen. Intern besteht jedoch eine Sekündärverbindung, was Kommunikation und die Organisation für den Abwart erleichtert. 

Das neue Schulhaus fasst mit seinen offen ausgebreiteten Armen, entlang der – das Gelände durchschneidenden – Laufbahn, die Anlage zusammen. Ein dritter Arm ragt leicht in den zwischen den Volumen aufgespannten Aussenraum. Dieser markiert die zentrale Bedeutung des Baukörpers. Das Gebäude schafft mit dieser einfachen Geste den Zusammenhalt der Gesamtanlage.


Umgebung
Das Volumen des neuen Schulhauses nimmt in seiner Form nicht auf die bestehenden Gebäude Bezug. Es entstehen bewusst gestaltete, unterschiedliche Schulhöfe mit eigenständigen Charakteren und Eigenschaften. Die einzelnen Nutzungen werden entflechtet. Es entstehen so Aussenräume für die Schule (Eingang und Pausenplatz), für den Kindergarten und die Sportanlagen. 

Der bestehende Pausenplatz und die Zuordnung zum Mehrzweckgebäude werden aufgewertet. Durch eine stärkere Abgrenzung zum Bungertweg und mit einem Brunnen als vermittelndes Element entsteht der Charakter eines Dorfplatzes. Damit wird dieser Platz zum zentralen Platz, der alle Volumen und Nutzungen verbindet. 

Raumbildende Baumreihen fassen das Schulareal wie eine Klammer zusammen. Der fliessende Raum um die verschiedenen Schulhöfe  lässt ein Raumkontinuum entstehen. Die Baumreihe beim Hauptplatz zum Bungertweg sind wie ein Grünfilter, der die Durchsicht unter dem Blätterwerk ermöglichet und trotzdem eine Abgrenzung entstehen lässt. Ein Ziergräserstreifen schafft die räumliche Distanz zum Bungertweg. 

Leicht abgewandt liegt der Sportplatz. Die Rasenfläche wird vergrössert. Der Hartplatz und die Laufbahn sind verbunden; die Weitsprunganlage ist überlagert. Die beiden Sportflächen befinden sich auf unterschiedlichen Niveaus und nehmen so die topografischen Verhältnisse auf. 

Die internen Erschliessungswege werden vereinfacht. Der provisorisch wirkende Aufgang zum bestehenden Schulgebäude wird angepasst und auf der Südseite grosszügiger und rollstuhlgängig gestaltet. Die bisherigen Zugänge von der Hirschengasse wird belassen, der Platz vor dem bestehenden Schulhaus angepasst. Der Hauptplatz erhält vom Bungertweg her einen neuen direkten Aufgang. Ein grosszügiger Zugang mit Veloabstellplätzen erschliesst die Anlage neu auch aus östlicher Richtung.


Schulräume
Je zwei Klassenzimmer spannen einen Gruppenraum auf und bilden so eine Einheit. Pro Geschoss sind jeweils drei Einheiten angeordnet. Sie besetzen markant die Gebäudeecken und ermöglichen damit eine grosszügige und freie Erschliessung. Jedes Schulzimmer weist eine andere Orientierung auf. Dies ermöglicht Identifikation. Unterschiedliche Licht-, resp. Sonneneinstrahlung ergibt einen individuellen Tages-Rhythmus. Dieses Wechselspiel wird auch an der Fassade ablesbar sein. 

Die Gruppenräume sind sowohl direkt vom Klassenzimmer als auch von der Erschliessungszone erreichbar. Dies erleichtert den Schulbetrieb. Eine flexible Nutzung dieser Räume ist gewährleistet. Die Gruppenräume sind gegenüber den Klassenzimmer nach aussen rhythmisiert geschlossener. Sie sind „introvertierter“ und fokussiert. 

Die Schulräume sind ausgebildet wie Futterale in Holz ausgekleidet. Diese Materialisierung erzeugt einen ruhigen, angenehmen Ort, der die räumliche Qualität durch Reduktion erreicht. Jedem Schulzimmer sind die Garderoben bei der Zimmertüre zugeordnet. Sie sind, zusammen mit der Türe, als Nischen ausgebildet. Eine subtile Farbabstimmung der Nischenfutter unterstützt die Identifikation. Gleichzeitig sind sie als Schalldämmelemente ausgeführt.


Erschliessung
Eine frei fliessende Form, die die Schulräume umschliesst, öffnet sich immer wieder in unterschiedliche Richtungen. Ausblicke sollen nicht nur Tageslicht in den offenen Raum leiten, sie bieten auch Orientierungshilfe und lassen den Tagesablauf und die Aussenstimmung immer wieder neu erleben. Die Ausblicke sind gleichzeitig Durchblicke. Sie ermöglichen wichtige optische Verbindungen von aussen quer durch das Haus. Die Bezüge zur Topografie sollen erhalten und erlebbar bleiben. 

Direkt an diese Zone angeschlossen sind nicht nur die Klassenzimmer, sondern auch die Gruppenräume. Ausweitungen der Erschliessungszone sind als überschaubare Nischen vielfältig nutzbar (Aufgaben, Schlechtwetter-Aufenthalt, Besprechung). 

Die vertikalen Installationszonen liegen direkt bei den Schulzimmergruppen. Eine horizontale Verteilung in den Gangzonen entfällt. Dies unterstützt die Durchgängigkeit des Raumes und die einheitliche Materialisierung.


Konstruktion | Materialisierung
Das Gebäude steht auf unterschiedlichen Fundamentzonen. Das neue Schulhaus liegt hauptsächlich auf dem bestehenden Luftschutz oder der Sanitäts-Hilfstelle, teilweise aber auch auf nicht unterbautem Terrain. Diese verschiedenen Fundationen bedingen eine klare Lastabtragung. Über der Decke Luftschutz, resp. Sanitäts-Hilfsstelle wird eine oberarmierte Lastabtragungsplatte, die mit den bestehenden Decken verbunden wird, erstellt. Die Last wird über die Wände auf die bestehenden Fundamente abgeleitet. Ob diese verstärkt werden müssen (Mikropfähle), kann erst in einer detaillierten Berechnung in der folgenden Phase bestimmt werden. Auf dieser Platte wird das Gebäude aus statisch aktiven Decken und Wandscheiben erstellt. 

Die Holzelementfassade wird zwischen die Decken eingeschoben. Eine richtig dimensionierte Dämmung zwischen dem Konstruktionsholz mit beidseitiger Überdämmung  ergibt die angestrebten, optimierten Werte für den Wärmeschutz sowohl im Winter wie auch im Sommer. Die individuell steuerbaren Vertikalstoffstoren unterstützen dies.

Die hinterlüftete Fassadenbekleidung besteht aus einheimischem Tannenholz. Dies wird horizontal, in unterschiedlichen Lattenbreiten montiert. Es entsteht eine fliessende Ausformung des Gebäudes. Gleichzeitig wird das Volumen zusammengebunden. Die in heller Bronze gehaltenen Fensterbänder zeichnen die unterschiedlichen inneren Nutzungen (Klassenzimmer, Gruppenräume, Erschliessungszone) auch an der Fassade nach.


Energie
Das Projekt baut auf die Optimierung des kompakten Volumens und die fliessenden, der Schulstufe gerecht werdenden Formen. Die massive, wegen den unterirdischen Schutzbauten notwendige Tragstruktur ergibt durch die Speichermasse eine gute Klimapufferung. Die frei fliessende Erschliessungsform erlaubt eine effiziente Belichtung mit Tageslicht. Nur einzelne Klassenzimmer sind nach Süden ausgerichtet. Dies ergibt eine gute Kontrolle des sommerlichen Wärmeschutzes. Dieser wird unterstützt durch individuell bedienbare und automatisch gesteuerte Vertikalstoffstoren. Die Holzelement-Fassade erlaubt eine bauphysikalisch effiziente Ausbildung der Aussenwand. Die einfache Austauschbarkeit der Bauelemente wie Fenster oder Sonnenschutz ist gewährleistet. 

Die Klassenzimmer sind nach Minergie-Vorschriften mechanisch belüftet. Dennoch können die Fenster, für ein höheres Wohlbefinden, manuell geöffnet werden. Dies wird von den Lehrpersonen sehr geschätzt. 

Die Anlagen des Luftschutzes und der Sanitätshilfsstelle erschweren die horizontale Verteilung der Installationen. Es werden deshalb für die Lüftung drei dezentrale Monoblocks auf dem Dach platziert. Diese bedienen jeweils ein Zimmercluster und übernehmen auch deren Kühlung. Durch die Lage auf dem Dach sind kurze und optimal kontrollierbare Installationen möglich, welche auch von der Korridorseite her zugänglich sein können. Teure Brandschutzverkleidungen entfallen weitgehend. Auch ist eine gute individuelle Steuerung möglich. Dies ist vor allem bei einem nur teilweisen Betrieb der Schulanlage effizient.

Die Erschliessungszonen werden natürlich belüftet. Querlüftung und Entlüftung durch Oblichter gewährleisten dies. Die Klassenzimmer und die Erschliessung werden mittels Radiatoren beheizt. Dadurch wird eine rasche und individuelle Erwärmung des Raumes ermöglicht.

Der Wärmebedarf für das neue Schulhaus wird von der bestehenden zentralen Gasheizung bereitgestellt. Um die Minergie-Anforderungen zu erreichen, wird das Warmwasser zu 20% durch Gas und zu 80% durch Sonnenenergie mittels Kollektoren auf dem Dach erzeugt. 

In einem Gesamtkonzept mit Einbezug aller Wärmebezüger der Schulanlage wird ein nachhaltiges und zukunftsorientiertes Energiekonzept definiert. Die zukünftige Wärmeerzeugung geschieht durch eine Holzschnitzel- oder Pelletsheizung oder eine Anlage mit Wärmepumpe (Erdwärme). Je nach Konzept kann entschieden werden, ob solare Energie als Wärme oder zur Stromproduktion verwendet werden soll. Weiter kann in diesem Energiekonzept auch ein Brennstoffzellen-BHKW evaluiert werden.